Testcard #26: Utopien – Präsentation & Lesung

Datum: 23.01.2020 20:30
Ort: BARBONCINO Zwölphi, St. Pauli Fischmarkt 27 (aka Pudel Cafe)

Seit nunmehr 25 Jahren veröffentlicht der Mainzer Ventil Verlag mit seiner „testcard“-Reihe „Beiträge zur Popgeschichte“. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema Utopie, ihren Verheißungen und ihrem Verschwinden. Die Herausgeberinnen und Herausgeber Laura Schwinger, Jana Sotzko und Roger Behrens stellen die aktuelle Ausgabe in Text und Ton vor.

Dass es leichter sei, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus, wird zu einer Gewissheit, die kaum noch skandalös ist: So what? Wenn es stimmt, dass die Utopien verschwunden sind, wie steht es dann – im und als Pop – um: Revolution, Zeit, Raum, Erinnerung, Erfahrung, Hoffnung, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Geschichte, Fortschritt, Dynamik, Möglichkeit/Wirklichkeit …? War Pop nicht der Soundtrack einer besseren Welt, die Ode an die Freiheit des realen Humanismus?

Popgeschichte ist auch die Geschichte unzähliger Utopien, gelebter und gewünschter Entwürfe einer anderen, einer besseren Welt, die von Freedom und Happiness und Love bestimmt sein soll. Der Pop selbst beanspruchte schließlich, eine Utopie zu sein, ein verwirklichter Traum vom guten Leben. Allerdings ist Pop in all seiner Vielfalt immer auch das Gegenteil von Utopie gewesen: die auf die private Nische reduzierte Idylle, in der jede und jeder sich irgendwie durchwurschtelt, das bescheidene Glück des Augenblicks (im Konzert, im Kino, im Konsum) oder das ins Unterhaltungsformat gebrachte Schreckensszenario, die Katastrophe als Entertainment, die Dystopie. Pop ist eben nicht nur Nicht-Ort, nowhere, sondern ein now here, Jetzt-Hier.

www.testcard.de

Einlass: 20:00 | Beginn: 20:30
Eintritt: 5€

Mit freundlicher Unterstützung von Zardoz Records, Strips & Stories und Die Untüchtigen

Buchpräsentation „Gerahmter Diskurs“ mit Jonas Engelmann

Wir freuen uns sehr, erneut Jonas Engelmann bei uns im Laden zu Gast zu haben! Diesmal präsentiert er am 22. August 2013 bei uns in der Seilerstraße um 19:30 Uhr seine gerade beim Ventil Verlag erschienene Dissertation:
„Gerahmter Diskurs. GesellschaftsbUnser Hamburg – Unser Netz: Weil es sich lohnt!ilder im Independent-Comic“.
Der Eintritt ist frei – über eine Spende für die Fahrtkosten freuen wir uns.

Wir unterstützen mit dieser Veranstaltung den Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“, der für die Übernahme der Hamburger Energienetze in städtische Hand eintritt. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

 

„Gerahmter Diskurs“ zeigt anhand der Werke von Art Spiegelman, Marjane Satrapi, Charles Burns, Julie Doucet, Joann Sfar, David B. und anderen, wie Comics über das Zusammenspiel von Inhalt und Ästhetik eine Gesellschaftsanalyse und -kritik zum Ausdruck bringen und sich mit Themen wie Rassismus, Krankheit und Religion auseinandersetzen. Das Buch arbeitet das selbstreflexive Moment des Comics heraus, die Reflexion der erzählten Geschichte. Nicht die Herstellung von Kontinuität, sondern im Gegenteil: das Insistieren auf historische Brüche, auf die Lücken der Geschichtsschreibung, tritt im Comic in den Vordergrund. In den untersuchten Comics zeigt sich die Ambivalenz, Geschichte und Kritik an Gesellschaft in Bilder zu fassen, sie sind eine Strategie, die Behauptung einer einzigen Wahrheit ironisch und selbstreflexiv zu unterlaufen.

Dies soll am Beispiel von Charles Burns Graphic Novel „Black Hole“ deutlich gemacht werden, die im Themenkomplex „Krankheit“ als Beispiel einer Beschäftigung mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Aids untersucht wird. Aids ist in „Black Hole“ von Charles Burns nicht direkt Thema, wohl aber eine durch Sexualkontakte übertragene Krankheit, die Mutationen bei den Betroffenen auslöst, über die sie stigmatisiert und zu gesellschaftlichen Außenseitern werden. Zentral ist für Burns weniger die Auseinandersetzung mit Aids selber, als vielmehr mit der gesellschaftlichen Hysterie in der Anfangszeit. Diese Hysterie stellt er über den Umweg der Imitation eines Stils dar: er orientiert sich stilistisch an den erwähnten Horror-Comics der 1950er und ruft damit zweierlei auf: einerseits die damit verbundene gesellschaftliche Diskussion über Moral und Normalität, die wie erwähnt in der Selbstzensur der Comicverleger mündete, und die auch die frühe Diskussion Mitte der 1980er um Aids geprägt hat und ebenfalls das gesellschaftliche Klima der 50er, die Rückbesinnung auf bürgerliche Werte und Familie, die in Folge von Aids auch in den 80ern eine Renaissance erlebt hat. Im Zitat des Horrorcomics fängt Burns so ein Stimmungsbild einer verunsicherten Gesellschaft ein, ohne explizit auf die AIDS-Hysterie zu verweisen.

Jonas Engelmann ist Literaturwissenschaftler, Lektor und freier Journalist. Er hat über Gesellschaftsbilder im Comic promoviert, schreibt für Jungle World, konkret, Zonic, Missy Magazine und andere, lektoriert Bücher für den Ventil Verlag und gibt die testcard mit heraus.

Ein zusätzlicher Hinweis: am Freitag, den 23. August um 19:30 Uhr referiert Jonas Engelmann im Centro Sociale über die „subversive Verunsicherung der Andi-Comics“.

Ventil Verlag

 

Lesung und Buchpräsentation „Die rote Köchin“ mit Ambros Waibel

Wir freuen uns sehr, am 23. August 2012 um 19.30 Uhr, Ambros Waibel bei uns im Laden zu Gast zu haben. Er wird an diesem Abend die von ihm übersetze „Rote Köchin“ (Ventil Verlag) vorstellen und aus dem Buch vorlesen.

Der Eintritt ist frei. Eine kleine Spende für die Fahrtkosten ist erwünscht.

Eine Leseprobe findet ihr auf den Seiten der Jungle World.

 

Intime Einblicke in das Leben am Bauhaus. Hannah R. studiert am Bauhaus Weimar. Sie ist die rote Köchin. Zusammen mit Genossen betreibt sie am Bauhaus eine Kantine und ist dort Teil einer organisierten spartakistischen Zelle. Mit ihren Mitstreitern diskutiert sie die politischen und künstlerischen Umwälzungen der 1920er-Jahre, baut Bomben für den Sturz der kapitalistischen Gesellschaft, betreibt Arbeit gegen den aufkeimenden Faschismus und tanzt Swing. Sie begegnet Paul Klee, Wassily Kandinsky, Tristan Tzara und vielen anderen Avantgarde-Größen. Ihre Kochkunst versteht sich als Teil des politischen Kampfes. Zum 90-jährigen Bauhaus-Jubiläum liegt nun ihre Biografie vor, in der die Fäden der Zeit zusammenlaufen: „Die rote Köchin“ ist Polit-Thriller, Avantgarde-Geschichte und Kochbuch in einem. Zwischen Biografie und Roman angesiedelt, gibt das Buch Einblick in eine Zeit, als Kunst und Revolution noch zusammen gedacht wurden. Jedes Kapitel enthält zudem historische Kochrezepte der 1920er-Jahre.
Der anonyme Verfasser kaufte im Auftrag eines Freundes in einer kleinen Tessiner Galerie ein winziges Aquarell von Paul Klee, ein Geschenk des Meisters an seine Schülerin Hannah R. Die Galeristin ist die Enkelin der roten Köchin, von ihr erfuhr er deren Geschichte, die er niederschrieb und zunächst in Italien mit großem Erfolg veröffentlichte.

Ambros Waibel, geboren 1968, Studium der italienischen und deutschen Literatur in München, Marburg und Venedig. Arbeit an verschiedenen Bühnen, 1996 Mitbegründer des Theaterzentrums WAGGONHALLE in Marburg. Arbeitsstipendium für Autoren der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur 2002.
Lebt in Berlin als Autor und Übersetzer. Er veröffentlichte 1999 in der edition selene, Wien, das Buch „Schichten. Novellen und Berichte“. 2004 erschien seine gemeinsam mit Matthias Penzel verfasste Jörg-Fauser-Biographie unter dem Titel „Rebell im Coca-Cola-Hinterland“.

 

 www.ventil-verlag.de

www.ambros-waibel.de

NEU EINGETROFFEN: „MUSIC IS MY BOYFRIEND“ von MARTIN BÜSSER

Das Buch mit einer Textauswahl von 1990 – 2010 möchten wir euch wirklich ans Herz legen!
Martin Büsser, der leider letztes Jahr gestorben ist, war auch für uns unheimlich einflussreich. Wahrscheinlich würde es ohne ihn und seine Texte Strips & Stories nicht geben.

Der Ventilverlag schreibt über das Buch: »Music is my Boyfriend« versammelt ausgewählte Texte Martin Büssers aus den letzten 20 Jahren, journalistische, essay­istische und literarische. Der Band zeigt die ­Entwicklung von einem nie auf Effekte und Beliebigkeit ­zielenden Musikjournalisten hin zu einem Autoren, der trotz begründeter Zweifel an der Pop­kultur als wich­tiger Impulsgeberin für gesellschaftliche ­Veränderungen festhielt.
Das Buch führt vor Augen, welche Lücke Martin Büsser, der im September 2010 im Alter von 42 Jahren ­verstarb, im deutschen Kulturbetrieb hinterlässt. Er hat den Ventil Verlag mitgegründet und als Herausgeber und Redakteur über 15 Jahre die Zeitschrift ­»testcard« geprägt. ­Darüber hinaus hat er sich als Kunst-, Literatur-, Film- und Musikkritiker einen Namen gemacht und arbeitete als Zeichner und Musiker.

Hier ein Audio-Interview mit Jonas Engelmann vom Ventilverlag über das Buch

Inhaltsverzeichnis:

• Fünf Lieblingsplatten mit 18
• Wenn Helden fallen
• Leben im Kapitalismus … Moe Tucker
• Hardcore ade … Eine Abrechnung
• Floating Anarchy. John Cage
• Erziehung zum Mittelmaß
• This Heat. Die Texte von Deceit als Ausdruck eines kompletten Negativismus
• Stereolab. Zur Konstruktion von Indie-Stars
• Phil Collins und das Prinzip, »In the Air« zu sein
• Ich ist eine Text-Maschine
• Gottseidank nicht im Steinbruch. Nomeansno im Juhubuhaus, Nieder Olm (1988)
• Super Discount. Pop im Jahrzehnt seiner Allgegenwärtigkeit
• Barbecue with the Moldy Peaches
• Pop als Wahlhelfer
• Ewig stampft die Jazzmaschine. Die veränderten Bedingungen der Kulturindustrie
• Ban Marriage. The Hidden Cameras
• Nicht zu zz toppen … Der Bart in der Popgeschichte
• Sonic Youth – The Makers of Cool
• Die neue Einfachheit. Stille Songwriter und die Wiederentdeckung des Archaischen
• Deutsche Kulturbewahrer
• Deutsch und kein Ende
• Popkultur und Politik – ein schwer bestimmbares Verhältnis. Pop als linker Mythos. 1968 und die Popkultur
• Jeffrey Lewis. Auf der Suche nach Tradition
• Sidewalk Songs & City Stories. New Urban Folk
• »Indie boys are neurotic«. Geschlechterverhältnisse im Pop
• Kritik der ungehörten Platten: Tocotronic – Kapitulation
• Out Of Step (With The World). Nonkonform, wie auch immer: Schwarz in der Popkultur
• Konservative Rebellen. Shellac
• Zu zart für diese Welt. Der Emo-Hass und seine Ursachen
• Franken-Grunge
• Alles durchwinken … Das Verschwinden der Poplinken und der Triumph der Kulturindustrie
• Wie sexy ist die Linke?
• Hier entsteht ein queerer Raum
• Drei-Generationen-Vertrag. Älterwerden im Pop
• Aus den Archiven. Honest Jon’s Records
• Wuchernde Nischen. Die Umwälzungen auf dem ­Tonträger­markt und das Ende von Konsens
• Rock My Religion
• Wie kommt man hier raus?
• 10 Songs zum Mitsingen in der Badewanne