Vortrag: „Extremismusbegriff und Andi-Comics“ von Jonas Engelmann

Am Freitag, den 23. August um 19:30 Uhr präsentiert Jonas Engelmann im Centro Sociale (Sternstr. 2) seine Thesen zu den vom Verfassungsschutz herausgegebenen „Andi-Comics“.

Eine Veranstaltung von Strips & Stories in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg. Eintritt gegen Spende.

 

Thomas Grumke, der für die Andi-Reihe verantwortliche Referent im Nordrhein-Westfälischen Innenministerium, zeigte sich angesichts der Kritik an seinem „Comic für Demokratie und gegen Extremismus“, der kostenlos in unzähligen Schulen verteilt wurde, erstaunt. „Verfassungsschutz durch Aufklärung“ nennt er sein Konzept, mit dem Bildungscomic Andi den „wachsenden Anstrengungen extremistischer AkteurInnen, Jugendliche zu indoktrinieren“ entgegenzutreten. Zwischen 2005 und 2009 sind zur Extremismusprävention bislang drei Comics – Rechtsextremismus, Islamismus, Linksextremismus – in der Reihe entstanden, gezeichnet von dem Düsseldorfer Comiczeichner Peter Schaaff. Insbesondere der Comic zum Linksextremismus, der diesen mit dem Rechtsextremismus gleichsetzt, hat massiven Widerspruch hervorgerufen.
Der Vortrag will nach einer kurzen Einführung in die Problematik des Extremismusbegriffs die Inhalte dieses Andi-Comics vorstellen, einschließlich aller pädagogischen Absurditäten und Ambivalenzen.

Jonas Engelmann ist Literaturwissenschaftler, Lektor und freier Journalist. Er hat über Gesellschaftsbilder im Comic promoviert, schreibt für Jungle World, konkret, Zonic, Missy Magazine und andere, lektoriert Bücher für den Ventil Verlag und gibt die testcard mit heraus.

Ein zusätzlicher Hinweis: am 22. August um 19:30 stellt Jonas Engelmann bei Strips & Stories in der Seilerstraße seine Dissertation „Gerahmter Diskurs. Gesellschaftsbilder im Independentcomic vor.“

Buchpräsentation „Gerahmter Diskurs“ mit Jonas Engelmann

Wir freuen uns sehr, erneut Jonas Engelmann bei uns im Laden zu Gast zu haben! Diesmal präsentiert er am 22. August 2013 bei uns in der Seilerstraße um 19:30 Uhr seine gerade beim Ventil Verlag erschienene Dissertation:
„Gerahmter Diskurs. GesellschaftsbUnser Hamburg – Unser Netz: Weil es sich lohnt!ilder im Independent-Comic“.
Der Eintritt ist frei – über eine Spende für die Fahrtkosten freuen wir uns.

Wir unterstützen mit dieser Veranstaltung den Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“, der für die Übernahme der Hamburger Energienetze in städtische Hand eintritt. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

 

„Gerahmter Diskurs“ zeigt anhand der Werke von Art Spiegelman, Marjane Satrapi, Charles Burns, Julie Doucet, Joann Sfar, David B. und anderen, wie Comics über das Zusammenspiel von Inhalt und Ästhetik eine Gesellschaftsanalyse und -kritik zum Ausdruck bringen und sich mit Themen wie Rassismus, Krankheit und Religion auseinandersetzen. Das Buch arbeitet das selbstreflexive Moment des Comics heraus, die Reflexion der erzählten Geschichte. Nicht die Herstellung von Kontinuität, sondern im Gegenteil: das Insistieren auf historische Brüche, auf die Lücken der Geschichtsschreibung, tritt im Comic in den Vordergrund. In den untersuchten Comics zeigt sich die Ambivalenz, Geschichte und Kritik an Gesellschaft in Bilder zu fassen, sie sind eine Strategie, die Behauptung einer einzigen Wahrheit ironisch und selbstreflexiv zu unterlaufen.

Dies soll am Beispiel von Charles Burns Graphic Novel „Black Hole“ deutlich gemacht werden, die im Themenkomplex „Krankheit“ als Beispiel einer Beschäftigung mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Aids untersucht wird. Aids ist in „Black Hole“ von Charles Burns nicht direkt Thema, wohl aber eine durch Sexualkontakte übertragene Krankheit, die Mutationen bei den Betroffenen auslöst, über die sie stigmatisiert und zu gesellschaftlichen Außenseitern werden. Zentral ist für Burns weniger die Auseinandersetzung mit Aids selber, als vielmehr mit der gesellschaftlichen Hysterie in der Anfangszeit. Diese Hysterie stellt er über den Umweg der Imitation eines Stils dar: er orientiert sich stilistisch an den erwähnten Horror-Comics der 1950er und ruft damit zweierlei auf: einerseits die damit verbundene gesellschaftliche Diskussion über Moral und Normalität, die wie erwähnt in der Selbstzensur der Comicverleger mündete, und die auch die frühe Diskussion Mitte der 1980er um Aids geprägt hat und ebenfalls das gesellschaftliche Klima der 50er, die Rückbesinnung auf bürgerliche Werte und Familie, die in Folge von Aids auch in den 80ern eine Renaissance erlebt hat. Im Zitat des Horrorcomics fängt Burns so ein Stimmungsbild einer verunsicherten Gesellschaft ein, ohne explizit auf die AIDS-Hysterie zu verweisen.

Jonas Engelmann ist Literaturwissenschaftler, Lektor und freier Journalist. Er hat über Gesellschaftsbilder im Comic promoviert, schreibt für Jungle World, konkret, Zonic, Missy Magazine und andere, lektoriert Bücher für den Ventil Verlag und gibt die testcard mit heraus.

Ein zusätzlicher Hinweis: am Freitag, den 23. August um 19:30 Uhr referiert Jonas Engelmann im Centro Sociale über die „subversive Verunsicherung der Andi-Comics“.

Ventil Verlag