Gerade gefunden auf dem Reprodukt Blog – photographiert durchs Schaufenster mitsamt Comics und Band von der sehr netten Zirp Release Party am letzten Freitag:
Avant Verlag, Band 01, 02 und 03 jeweils 14.95 Euro
Joseph Bell war Chirurg, Kinder- und Militärarzt. Sein Schüler Arthur Conan Doyle wurde durch ihn zu seiner Figur des Sherlock Holmes inspiriert. Aus nicht geklärten Gründen verschwieg der Schriftsteller die dunklen Seiten der Persönlichkeit seines Mentors. Es ist an der Zeit einige dieser Vorkommnisse einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Passend zur Vorweihnachtszeit ein (Text-) Auszug aus Professor Bell 02 – Die Puppen von Jerusalem:
…
Panel 1:
Teufel: Hm… das gefällt mir!
Panel 2:
Teufel: Ein Typ, der am Verbluten ist und überall Wunden und Nägel hat. Gläubige, die am Boden kriechen, um für Fehler zu büssen, von denen wir nichts wissen. Und dieses Wahlversprechen: Leide auf Erden und das Himmelreich ist dir sicher.
Panel 3:
Teufel: Ha! Ha! Morgen wird abgerechnet.
Pfaffe: Brauchen Sie Hilfe, mein Sohn?
Teufel: Wozu? Was will der Pfaffe von mir.
Panel 4:
Pfaffe: Sie nuscheln, ich verstehe Sie nicht.
Teufel: Ich sagte: Ich liebe Kirchen.
Panel 5:
Pfaffe: Hier ist jede Kreatur willkomen, mein Sohn. Dies ist das Haus Gottes.
Teufel: Selbst der Teufel?
Panel 6:
Pfaffe: Wir weisen keinen Sühne ab, mein Sohn. Mir scheint, als ob sie hier sogar besser aufgehoben sind als die Heiligen.
Panel 7:
Pfaffe: Den für die Gerechten ist Gott überall. Die Kirche und ihre Ikonen sind nur dazu da, den armen und verwirtten Seelen einen Halt zu geben.
Panel 8:
Teufel: Du verstehst mich falsch. Ich spreche vom Teufel mit seinen Hörnern und Hufen; wenn er käme, um zu beichten, würdest du ihn rausschmeissen?
Pfaffe: Der Teufel ist nur ein Konstrukt, mein Sohn.
Panel 9:
Teufel: Willst du damit sagen, er existiert nicht?!
Pfaffe: Aber nein!
Panel 10:
Pfaffe: Aber wenn jemand glaubt, dass er ganz allein das Böse verkörpert, dann braucht er wohl eher einen Psychater als einen Beichtvater.
Der amerikanische Filmsammler Dennis Nyback führt durch ein Programm kurioser und kurzweiliger Animationsfilme, die zwar Geschichte schrieben, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten sind.
Drugged dwarves, anarchist bombers and cocaine cartoons! A fast-paced roundup of wildly subversive animated shorts from cartoon history, many censored, banned and rare.
Mawils ‚Wir können ja Freunde bleiben‘ erschien erstmals 2003 und hat auch nach all den Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Der erste Flirt, der erste Urlaub alleine, all diese Abenteuer des Teenager Lebens zeichnet Mawil mit seinem Stil so treffend, dass man gleichzeitig mitleidet und lacht. Ein wunderschönes kleines Buch.
Klappentext
Mawil zeichnet Comics über Mädchen – schicksalhafte Begegnungen aus dem eigenen Leben zwischen Plattenbausiedlung und Ostseeurlaub. Mawil versteht es, die Leser mit seinen dynamischen Zeichnungen in den Bann zu ziehen und sie ein Stück seiner Welt miterleben zu lassen.
Lewis Trondheim hat bereits hunderte Arbeiten veröffentlicht. Heute möchten wir Euch ein kleines Highlight daraus vorstellen: Die Fliege. Mit diesem wunderbaren und charmanten Buch kann man nichts falsch machen. Trondheim zeichnet – ganz ohne Worte – die wilden Abenteuer einer kleinen Stubenfliege. Entdeckungslust und Angst, Ruhe und Chaos, Liebe und Gefahr, das alles liegt so nah beieinander. Seht es Euch selbst an.
Unser heutiger Lesetipp ist ein kleines Juwel aus Italien. Die Internierung homosexueller Männern während des Faschismus wurde dort bis heute nicht aufgearbeitet.
Insel der Männer – Luca de Santis & Sara Colaone
mit einem Essay von Andreas C. Knigge
Schreiber&Leser, 18,80 Euro
In Italien wurden von 1938 bis 1943 circa 300 Homosexuelle auf einer Insel im Süden interniert. Es gab kein Gesetz, das dies rechtfertigte, nur mehr oder weniger willkürliche Erlasse auf Bezirksebene.
Dies ist die Geschichte des 75jährigen Antonio, genannt Ninella, der als junger Mann in jenes Lager kam. Nine‘ erzählt von Kummer, Not und Heimweh, aber auch von ausgelassenen Festen, von Kameradschaft und Liebe.
Der Dezember ist da! Das ruft nicht nur Vorfreude auf Schnee und eine warme Wohnung hervor. Es ist auch mit die beste Zeit, um Comics zu lesen. Draußen ist es kalt und dunkel, drinnen ist alles gemütlich und mit Leselampen ausgeleuchtet. Bei uns findet ihr eine feine Auswahl an Graphic Novels, die euch die Zeit bis zum Frühlingsanfang verkürzen. Außerdem wollen wir euch die Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk erleichtern. Deshalb gibt es jetzt täglich eine Leseempfehlung von uns. Wer gut aufpasst und regelmäßig die Türen öffnet (liest) kann auch etwas gewinnen. Lasst Euch überraschen.
Unsere erste Empfehlung:
Maria und Ich – Maria Gallardo & Miguel Gallardo
Reprodukt, 14 Euro
Eine wunderbar illustrierte Reise auf die Kanaren. Vater und Tochter machen Urlaub. Eigentlich nichts ungewöhnliches, aber Maria ist autistisch und viele Leute können damit nicht umgehen. Der spanische Zeichner Gallardo entlarvt mit viel Selbstironie die oft merkwürdigen Reaktionen der Menschen auf die man alltäglich trifft. Und er bringt sehr gut auf den Punkt was daran so nervt. Ein sehr schönes Buch.
Sie sind da! Die Kartons mit den englischen Titeln. Unsere bisherige kleine englischsprachige Ecke verdreifacht sich damit auf einen Schlag. Es gibt einige Klassiker (Sandman, Blankets, Black Hole, etc), aber auch viel Neues zu entdecken. Kommt gucken!
Jeff Lemire’s Essex County (Top Shelf Productions) is composed of three interconnected graphic novels: Tales from the Farm, Ghost Stories and The Country Nurse. Winner of several major awards in the world of comics, including a Joe Shuster Award, it was hailed by reviewers as „the comics medium at its best“ (Booklist) and „a quiet, somber, haunting masterpiece“ (The Oregonian). The minimalistic though intensely emotional trilogy gives form to the author’s inspired vision of what it means to live, work, dream and even die in a Southwestern Ontario rural community.
The population of Lemire’s fictional landscape is represented from childhood to old age through the characters of Lester, Lou and Anne. Their external world is rendered in stark black-and-white lines. The vividness of their interior lives, however, is what gives the graphic novel its colour and vitality.
Defended by Sara Quin
She’s a musician who has been in the limelight for more than a decade, though she’s only 30. Calgary native Sara Quin, one half of the indie music sensation known as Tegan & Sara, has been singing and writing songs with her twin sister, Tegan, since she was 15.
The population of Lemire’s fictional landscape is represented from childhood to old age through the characters of Lester, Lou and Anne. Their external world is rendered in stark black-and-white lines. The vividness of their interior lives, however, is what gives the graphic novel its colour and vitality.
Lynda Barry, Jahrgang 1956, ist großartig und deswegen möchten wir Euch heute ihr Werk ans Herz legen.
Obwohl sie schon seit vielen Jahren tolle Sachen macht, sind ihre Arbeiten bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden. Lynda Barry hat einen außergewöhnlichen und einmaligen Stil kreiert, der einen ganz neuen Standard in der autobiografischen Erzählkunst setzt. Sie verbindet in ihren Büchern klassisches Geschichten erzählen mit philosophischen Collagen und interaktiven Aufforderungen selbst zur Tuschfeder zu greifen – Anleitung inbegriffen. So entsteht immer ein intensives und extrem abwechslungsreiches Leseerlebnis. Ihre autobiografischen Geschichten sind bittersüß und haben einen großartigen, sehr feinen Humor. Ihr Stil trotzt Ihrer rauen Jugend eine positive Selbstermächtigung ab, die man lange suchen muss, um sie in dieser Perfektion zu finden.
Eine kleine Anekdote:
Lynda Barry lernte im Evergreen State College Anfang der 1970er Jahre den Simpsons Erfinder Matt Groening und Charles Burns kennen. Sie arbeiteten dort zusammen bei der Schülerzeitung.